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Trotz des wilden Blicks, mit dem der Fremde plötzlich vor ihr aufgetaucht war und sie am Arm gepackt hatte, und trotz der Tatsache, dass sie durchnässt vom herabströmenden Regen, vor Kälte zitternd, in der dunklen Fußgängerunterführung stand, die ihr schon bei Tageslicht einen Schauer über den Rücken jagte, verspürte sie bei seinem Anblick keinerlei Furcht. Es war Nacht, weit und breit keine Menschenseele, die sie um Hilfe hätte anrufen können, nur dieser Fremde, der urplötzlich aus dem Dunkel auf sie zugesprungen war – und doch fühlte sie Mitleid. Mitleid und etwas anderes, das sie nicht benennen konnte.

Der Mann starrte sie an, dann seine Hand, als wurde ihm erst jetzt bewusst, dass er mit eisernem Griff ihren Arm umklammerte, dann ihre Augen.

In seinem Blick lagen Schmerz und Angst, sich gegenseitig überlagernd, sich verstärkend zu etwas größerem: zu der Panik eines gehetzten Tieres.

„Helfen sie mir!“ flüsterte er heiser. „Bitte! Helfen sie mir!“

Sie zögerte nur einen kurzen Augenblick.

Dann – ohne zu wissen wieso – nahm sie seine rechte Hand in ihre linke und zog ihn mit sich.

„Kommen sie!“ sagte sie energisch. „Beeilen wir uns!“

[...]